Mein lieber Paul,
wir haben so lange nicht mehr schön miteinander geplaudert. Eigentlich schade. Schade
auch, dass du dich rar machst. Deine Spendierhosen haben mir immer sehr gut gefallen.
Solche hätte ich auch immer gerne gehabt, aber mir fehlt leider die zugehörige Vision.
Ach, irgendwie tust du mir schon leid, wie das jetzt alles gekommen ist, wie die Katholische
Kirche, die Deutsche Bank und die Freimaurer dir und deiner visionären Idee mit vollem
Karacho an den Karren gefahren sind. Wie die aus lauter Neid und Missgunst versucht haben,
deinen Pakt mit Gott zu torpedieren. Zum Glück besitzt du die Gnade, das Unsichtbare zu
sehen, das Unglaubliche zu glauben und das Undenkbare zu denken. Kaum auszudenken,
wie die Sache sonst hätte enden können.
Apropos Denken. Du hörst das jetzt vielleicht nicht gern, aber am liebsten denke ich an die
Zeit zurück, als du 2008 vollkommen abgebrannt in Deutschland gelandet bist. Und ich weiß
nicht einmal, welche deiner Geschichten von damals mir am besten gefallen hat. Die von
den drei Millionen, um die du deinen Vermieter auf Bermuda betrogen hast, war schon mal
nicht schlecht. Die Sache in Portugal hat mir auch gut gefallen. Vor allem, dass du da in der
„Nachbereitung“ so geschickt agiert hast und wie du den W. D. und den Missionar vom
ICW so gut integriert hast, hat mir Respekt abgenötigt. Und wie du den Detektiv so schön
verarschst hast mit einer lockeren Unterschrift unter eine Ratenzahlungsvereinbarung von
fast 1,2 Millionen Euro zuzüglich Zinsen ab dem Tag deiner Unterschrift. Du warst ein Fuchs,
du bist ein Fuchs, du bleibst ein Fuchs.
Aber um ehrlich zu sein, am besten gefällt mir die Erinnerung an deine ersten mühsamen
Kilometer in Richtung der Millionen, die du sooo selbstlos in W. D. altem, klapprigen
Skoda zurückgelegt hast. Das war immer zu putzig, dich in diesem Auto zu sehen. Ich dachte
mir jedes Mal: Siehst du, so geht das mit den Spendierhosen. Erst Dreck fressen, dann Gold
scheißen. Sieht erstmal nicht nach viel aus, führt aber dafür recht zügig zu einer Limousine
samt Chauffeur. Kompliment. Wirklich.
Tja, wie gesagt, leider fehlen mir für diesen Verdauungsmechanismus die entsprechenden
Gene oder Enzyme. Dafür hätte ich dir aber an anderer Stelle ein treuer und verlässlicher
Partner sein können und hätte dir vielleicht den einen oder anderen Fehler ersparen können,
die dir in der Folgezeit unterlaufen sind. Aber leider hast du nie auf jemanden hören wollen,
der deiner Vision nicht noch einen draufsetzen konnte.
Ja, ich weiß, ein Traxel akzeptiert nur einen einzigen Partner, und der sitzt ganz weit oben.
Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben. Wer das nicht versteht, ist ein Idiot
und zu denen möchte ich selbstverständlich nicht gehören.
Aber dennoch. So ganz ohne irdische Hilfe musstest du ja auch nicht auskommen. Der R.
und der D. haben ihren Job auch ganz gut gemacht. Das musst du schon anerkennen.
Die ganzen Lorbeeren alleine ernten wollen, würde ja auch gar nicht zu dir passen. Und schließlich
können die Beiden dir ja auch in Zukunft noch gute Dienste leisten, indem sie einen Teil der
Schuld von dir nehmen. Oder? Also pass gut auf die Jungs auf, dass sie dir nicht abhanden kommen.
Ach Paul, es ist so schön, dir zu schreiben. Ich möchte eigentlich gar nicht mehr aufhören.
Aber das wäre nicht fair. Du bist sehr beschäftigt. Deine Zeit ist kostbar und am Stück quasi
unbezahlbar. Ich werde dir einfach demnächst wieder einmal ein paar Zeilen widmen, wenn
die Erinnerung mich übermannt...
Bis dahin herzliche Grüße
Dein POTJEMKIN
